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Felsbuchten des Aegäischen Meers

Mond im Zenith verharrend.

Sirenen

(auf den Klippen umher gelagert, flötend und singend).

Haben sonst bei nächtigem Grauen
Dich thessalische Zauberfrauen
Frevelhaft herabgezogen,
Blicke ruhig von dem Bogen
Deiner Nacht auf Zitterwogen
Mildeblitzend Glanzgewimmel,
Und erleuchte das Getümmel
Das sich aus den Wogen hebt.
Dir zu jedem Dienst erbötig,
Schöne Luna sey uns gnädig!

Nereiden und Tritonen

(als Meerwunder).

Tönet laut in schärfern Tönen,
Die das breite Meer durchdröhnen,
Volk der Tiefe ruft fortan! –
Vor des Sturmes grausen Schlünden
Wichen wir zu stillsten Gründen,
Holder Sang zieht uns heran.
Seht! Wie wir im Hochentzücken
Uns mit goldnen Ketten schmücken;
Auch zu Kron’ und Edelsteinen,
Spang- und Gürtelschmuck vereinen.
Alles das ist eure Frucht.
Schätze, scheiternd hier verschlungen,
Habt ihr uns herangesungen,
Ihr Dämonen unsrer Bucht.

Sirenen.

Wissen’s wohl, in Meeresfrische
Glatt behagen sich die Fische,
Schwanken Lebens ohne Leid;
Doch! ihr festlich regen Schaaren,
Heute möchten wir erfahren,
Daß ihr mehr als Fische seyd.

Nereiden und Tritonen.

Ehe wir hieher gekommen
Haben wir’s zu Sinn genommen,
Schwestern, Brüder, jetzt geschwind!
Heut bedarf’s der kleinsten Reise,
Zum vollgültigsten Beweise,
Daß wir mehr als Fische sind.

(Entfernen sich.)

Sirenen.

Fort sind sie im Nu!
Nach Samothrace grade zu,
Verschwunden mit günstigem Wind.
Was denken sie zu vollführen
Im Reiche der hohen Kabiren?
Sind Götter! wundersam eigen,
Die sich immerfort selbst erzeugen,
Und niemals wissen was sie sind.
Bleibe auf deinen Höhn,
Holde Luna, gnädig stehn;
Daß es nächtig verbleibe,
Uns der Tag nicht vertreibe.

Thales

(am Ufer zu Homunculus).

Ich führte dich zum alten Nereus gern;
Zwar sind wir nicht von seiner Höhle fern,
Doch hat er einen harten Kopf
Der widerwärtige Sauertopf.
Das ganze menschliche Geschlecht
Macht’s ihm, dem Griesgram, nimmer recht.
Doch ist die Zukunft ihm entdeckt,
Dafür hat jederman Respect,
Und ehret ihn auf seinem Posten;
Auch hat er manchem wohlgethan.

Homunculus.

Probiren wir’s und klopfen an!
Nicht gleich wird’s Glas und Flamme kosten.

Nereus.

Sind’s Menschenstimmen die mein Ohr vernimmt?
Wie es mir gleich im tiefsten Herzen grimmt!
Gebilde, strebsam Götter zu erreichen,
Und doch verdammt sich immer selbst zu gleichen.
Seit alten Jahren konnt’ ich göttlich ruhn,
Doch trieb mich’s an den Besten wohlzuthun;
Und schaut’ ich dann zuletzt vollbrachte Thaten,
So war es ganz als hätt’ ich nicht gerathen.

Thales.

Und doch, o Greis des Meers, vertraut man dir;
Du bist der Weise, treib’ uns nicht von hier!
Schau’ diese Flamme, menschenähnlich zwar,
Sie deinem Rath ergibt sich ganz und gar.

Nereus.

Was Rath! Hat Rath bei Menschen je gegolten?
Ein kluges Wort erstarrt im harten Ohr.
So oft auch That sich grimmig selbst gescholten,
Bleibt doch das Volk selbstwillig wie zuvor.
Wie hab’ ich Paris väterlich gewarnt,
Eh’ sein Gelüst ein fremdes Weib umgarnt.
Am griechischen Ufer stand er kühnlich da,
Ihm kündet ich was ich im Geiste sah:
Die Lüfte qualmend, überströmend Roth,
Gebälke glühend, unten Mord und Tod:
Troja’s Gerichtstag, rhythmisch festgebannt,
Jahrtausenden so schrecklich als gekannt.
Des Alten Wort dem Frechen schien’s ein Spiel,
Er folgte seiner Lust und Ilion fiel –
Ein Riesenleichnam, starr nach langer Qual,
Des Pindus Adlern gar willkommnes Mahl.
Ulyssen auch! sagt’ ich ihm nicht voraus
Der Circe Listen, des Cyklopen Graus?
Das Zaudern sein, der Seinen leichten Sinn,
Und was nicht alles! bracht’ ihm das Gewinn?
Bis vielgeschaukelt ihn, doch spät genug,
Der Woge Gunst an gastlich Ufer trug.

Thales.

Dem weisen Mann gibt solch Betragen Qual;
Der gute doch versucht es noch einmal.
Ein Quentchen Danks wird, hoch ihn zu vergnügen,
Die Centner Undanks völlig überwiegen.
Denn nichts Geringes haben wir zu flehn:
Der Knabe da wünscht weislich zu entstehn.

Nereus.

Verderbt mir nicht den seltensten Humor!
Ganz andres steht mir heute noch bevor:
Die Töchter hab’ ich alle herbeschieden,
Die Grazien des Meeres, die Doriden.
Nicht der Olymp, nicht euer Boden trägt
Ein schön Gebild das sich so zierlich regt.
Sie werfen sich, anmuthigster Gebärde,
Vom Wasserdrachen auf Neptunus Pferde,
Dem Element auf’s zarteste vereint,
Daß selbst der Schaum sie noch zu heben scheint.
Im Farbenspiel von Venus Muschelwagen
Kommt Galatee, die schönste nun, getragen,
Die, seit sich Kypris von uns abgekehrt,
In Paphos wird als Göttin selbst verehrt.
Und so besitzt die Holde, lange schon,
Als Erbin, Tempelstadt und Wagenthron.
Hinweg! Es ziemt, in Vaterfreudenstunde,
Nicht Haß dem Herzen, Scheltwort nicht dem Munde.
Hinweg zu Proteus! Fragt den Wundermann:
Wie man entstehn und sich verwandeln kann.

(Entfernt sich gegen das Meer.)

Thales.

Wir haben nichts durch diesen Schritt gewonnen,
Trifft man auch Proteus, gleich ist er zerronnen,
Und steht er euch, so sagt er nur zuletzt
Was Staunen macht und in Verwirrung setzt.
Du bist einmal bedürftig solchen Raths,
Versuchen wir’s und wandeln unsres Pfads!
(Entfernen sich.)

Sirenen

(oben auf den Felsen).

Was sehen wir von Weiten
Das Wellenreich durchgleiten?
Als wie nach Windes Regel
Anzögen weiße Segel,
So hell sind sie zu schauen,
Verklärte Meeresfrauen.
Laßt uns herunter klimmen,
Vernehmt ihr doch die Stimmen.

Nereiden und Tritonen.

Was wir auf Händen tragen
Soll allen euch behagen.
Chelonen’s Riesen-Schilde
Entglänzt ein streng Gebilde:
Sind Götter die wir bringen;
Müßt hohe Lieder singen.

Sirenen.

Klein von Gestalt,
Groß von Gewalt,
Der Scheiternden Retter,
Uralt verehrte Götter.
Nereiden und Tritonen.
Wir bringen die Kabiren,
Ein friedlich Fest zu führen;
Denn wo sie heilig walten,
Neptun wird freundlich schalten.

Sirenen.

Wir stehen euch nach;
Wenn ein Schiff zerbrach,
Unwiderstehbar an Kraft
Schützt ihr die Mannschaft.
Nereiden und Tritonen.
Drey haben wir mitgenommen,
Der Vierte wollte nicht kommen,
Er sagte er sey der Rechte,
Der für sie alle dächte.

Sirenen.

Ein Gott den andern Gott
Macht wohl zu Spott.
;Ehrt ihr alle Gnaden,
Fürchtet jeden Schaden.
Nereiden und Tritonen.
Sind eigentlich ihrer Sieben.

Sirenen.

Wo sind die drey geblieben?
Nereiden und Tritonen.
Wir wüßten’s nicht zu sagen,
Sind im Olymp zu erfragen,
Dort wes’t auch wohl der Achte,
An den noch niemand dachte!
In Gnaden uns gewärtig,
Doch alle noch nicht fertig.
Diese Unvergleichlichen
Wollen immer weiter,
Sehnsuchtsvolle Hungerleider
Nach dem Unerreichlichen.

Sirenen.

Wir sind gewohnt:
Wo es auch thront,
In Sonn und Mond
Hinzubeten, es lohnt.

Nereiden und Tritonen.

Wie unser Ruhm zum höchsten prangt
Dieses Fest anzuführen!

Sirenen.

Die Helden des Alterthums
Ermangeln des Ruhms,
Wo und wie er auch prangt,
Wenn sie das goldne Vließ, erlangt
Ihr die Kabiren.

(Wiederholt als Altgesang.)

Wenn sie das goldne Vließ erlangt,
Wir! ihr! die Kabiren.

Nereiden und Tritonen

(ziehen vorüber).

Homunculus.

Die Ungestalten seh’ ich an
Als irden-schlechte Töpfe,
Nun stoßen sich die Weisen dran
Und brechen harte Köpfe.

Thales.

Das ist es ja was man begehrt:
Der Rost macht erst die Münze werth.

Proteus (unbemerkt).

So etwas freut mich alten Fabler!
Je wunderlicher desto respectabler.

Thales.

Wo bist du Proteus?<

Proteus

(bauchrednerisch, bald nah, bald fern).

Hier! und hier!

Thales.

Den alten Scherz verzeih’ ich dir;
Doch, einem Freund nicht eitle Worte!
Ich weiß du sprichst vom falschen Orte.

Proteus

(als aus der Ferne).

Leb’ wohl!

Thales

(leise zu Homunculus).

Er ist ganz nah. Nun leuchte frisch,
Er ist neugierig wie ein Fisch;
Und wo er auch gestaltet stockt,
Durch Flammen wird er hergelockt.

Homunculus.

Ergieß’ ich gleich des Lichtes Menge,
Bescheiden doch, daß ich das Glas nicht sprenge.

Proteus

(in Gestalt einer Riesen-Schildkröte).

Was leuchtet so anmuthig schön?

Thales

(den Homunculus verhüllend).

Gut! Wenn du Lust hast kannst du’s näher sehn.
Die kleine Mühe lass’ dich nicht verdrießen,
Und zeige dich auf menschlich beiden Füßen.
Mit unsern Gunsten sey’s, mit unserm Willen,
Wer schauen will was wir verhüllen.

Proteus (edel gestaltet).

Weltweise Kniffe sind dir noch bewußt.

Thales.

Gestalt zu wechseln bleibt noch deine Lust.

(Hat den Homunculus enthüllt.)

Proteus (erstaunt).

Ein leuchtend Zwerglein! Niemals noch gesehn!

Thales.

Es fragt um Rath, und möchte gern entstehn.
Er ist, wie ich von ihm vernommen,
Gar wundersam nur halb zur Welt gekommen.
Ihm fehlt es nicht an geistigen Eigenschaften,
Doch gar zu sehr am greiflich Tüchtighaften.
Bis jetzt gibt ihm das Glas allein Gewicht,
Doch wär’ er gern zunächst verkörperlicht.

Proteus.

Du bist ein wahrer Jungfern-Sohn,
Eh’ du seyn solltest bist du schon!

Thales (leise).

Auch scheint es mir von andrer Seite kritisch,
Er ist, mich dünkt, hermaphroditisch.

Proteus.

Da muß es desto eher glücken,
So wie er anlangt wird sich’s schicken.
Doch gilt es hier nicht viel besinnen,
Im weiten Meere mußt du anbeginnen!
Da fängt man erst im Kleinen an
Und freut sich Kleinste zu verschlingen,
Man wächst so nach und nach heran,
Und bildet sich zu höherem Vollbringen.

Homunculus.

Hier weht gar eine weiche Luft,
Es grunelt so und mir behagt der Duft!

Proteus.

Das glaub’ ich, allerliebster Junge!
Und weiter hin wird’s viel behäglicher,
Auf dieser schmalen Strandeszunge
Der Dunstkreis noch unsäglicher;
Da vorne sehen wir den Zug,
Der eben herschwebt, nah genug.
Kommt mit dahin!

Thales.

Ich gehe mit.

Homunculus.

Dreyfach merkwürd’ger Geisterschritt!


Theil 2. Akt 2. Felsbuchten des Aegäischen Meers. «Faust» Goethe.

« Am obern Peneios wie zuvor

Telchinen von Rhodus »





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