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Переводы русской литературы
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Des Gegenkaisers Zelt, Thron, reiche Umgebung

Habebald. Eilebeute.

Eilebeute.

So sind wir doch die ersten hier!

Habebald.

Kein Rabe fliegt so schnell als wir.

Eilebeute.

O! welch ein Schatz liegt hier zu Hauf!
Wo fang’ ich an! Wo hör’ ich auf?

Habebald.

Steht doch der ganze Raum so voll!
Weiß nicht wozu ich greifen soll.

Eilebeute.

Der Teppich wär’ mir eben recht,
Mein Lager ist oft gar zu schlecht.

Habebald.

Hier hängt von Stahl ein Morgenstern,
Dergleichen hätt’ ich lange gern.

Eilebeute.

Den rothen Mantel goldgesäumt,
So etwas hatt’ ich mir geträumt.

Habebald

(die Waffe nehmend).

Damit ist es gar bald gethan,
Man schlägt ihn todt und geht voran.
Du hast so viel schon aufgepackt,
Und doch nichts Rechtes eingesackt.
Den Plunder laß an seinem Ort,
Nehm’ eines dieser Kistchen fort!
Dieß ist des Heers beschiedner Sold,
In seinem Bauche lauter Gold.

Eilebeute.

Dieß hat ein mörderisch Gewicht!
Ich heb’ es nicht, ich trag’ es nicht.

Habebald.

Geschwinde duck dich! Mußt dich bücken!
Ich huck’ dir’s auf den starken Rücken.

Eilebeute.

O weh! O weh! nun ist’s vorbei.
Die Last bricht mir das Kreuz entzwey.
(Das Kistchen stürzt und springt auf.)

Habebald.

Da liegt das rothe Gold zu Hauf,
Geschwinde zu und raff’ es auf.

Eilebeute

(kauert nieder).

Geschwinde nur zum Schoß hinein!
Noch immer wird’s zur Gnüge seyn.

Habebald.

Und so genug! und eile doch!

(Sie steht auf.)

O weh die Schürze hat ein Loch!
Wohin du gehst und wo du stehst
Verschwenderisch die Schätze sä’st.

Trabanten

(unsres Kaisers).

Was schafft ihr hier am heiligen Platz?
Was kramt ihr in dem Kaiserschatz?

Habebald.

Wir trugen unsre Glieder feil,
Und holen unser Beutetheil.
In Feindes-Zelten ist’s der Brauch,
Und wir, Soldaten sind wir auch.

Trabanten.

Das passet nicht in unsern Kreis:
Zugleich Soldat und Diebsgeschmeiß;
Und wer sich unserm Kaiser naht,
Der sey ein redlicher Soldat.

Habebald.

Die Redlichkeit die kennt man schon.
Sie heißet: Contribution.
Ihr alle seyd auf gleichem Fuß:
Gib her! das ist der Handwerksgruß.

(Zu Eilebeute.)

Mach fort und schleppe was du hast,
Hier sind wir nicht willkommne Gast.

(Ab.)

Erster Trabant.

Sag’, warum gabst du nicht sogleich
Dem frechen Kerl einen Backenstreich?

Zweyter.

Ich weiß nicht, mir verging die Kraft,
Sie waren so gespensterhaft.

Dritter.

Mir ward es vor den Augen schlecht,
Da flimmert’ es, ich sah nicht recht.

Vierter.

Wie ich es nicht zu sagen weiß:
Es war den ganzen Tag so heiß,
So bänglich, so beklommen schwül,
Der eine stand, der andere fiel,
Man tappte hin und schlug zugleich,
Der Gegner fiel vor jedem Streich,
Vor Augen schwebt’ es wie ein Flor,
Dann summt’s und saust’s und zischt im Ohr,
Das ging so fort, nun sind wir da
Und wissen selbst nicht wie’s geschah.

Kaiser mit Vier Fürsten (treten auf).

Die Trabanten (entfernen sich).

Kaiser.

Es sey nun wie ihm sey! uns ist die Schlacht gewonnen,
Des Feinds zerstreute Flucht im flachen Feld zerronnen.
Hier steht der leere Thron, verrätherischer Schatz,
Von Teppichen umhüllt, verengt umher den Platz.
Wir, ehrenvoll, geschützt von eigenen Trabanten,
Erwarten Kaiserlich der Völker Abgesandten;
Von allen Seiten her kommt frohe Botschaft an:
Beruhigt sey das Reich, uns freudig zugethan.
Hat sich in unsern Kampf auch Gaukeley geflochten,
Am Ende haben wir uns nur allein gefochten.
Zufälle kommen ja den Streitenden zu gut,
Vom Himmel fällt ein Stein, dem Feinde regnet’s Blut,
Aus Felsenhöhlen tönt’s von mächtigen Wunderklängen,
Die unsre Brust erhöhn, des Feindes Brust verengen.
Der Ueberwundne fiel, zu stets erneutem Spott,
Der Sieger, wie er prangt, preis’t den gewognen Gott.
Und alles stimmt mit ein, er braucht nicht zu befehlen,
Herr Gott dich loben wir! aus Millionen Kehlen.
Jedoch zum höchsten Preis, wend’ ich den frommen Blick,
Das selten sonst geschah, zur eignen Brust zurück.
Ein junger muntrer Fürst mag seinen Tag vergeuden,
Die Jahre lehren ihn des Augenblicks Bedeuten.
Deßhalb denn ungesäumt, verbind’ ich mich sogleich
Mit euch Vier Würdigen, für Haus und Hof und Reich.

(Zum Ersten.)

Dein war, o Fürst! des Heers geordnet kluge Schichtung,
Sodann, im Hauptmoment, heroisch kühne Richtung;
Im Frieden wirke nun wie es die Zeit begehrt,
Erbmarschall nenn’ ich dich, verleihe dir das Schwert.

Erbmarschall.

Dein treues Heer, bis jetzt im Inneren beschäftigt,
Wenn’s an der Gränze dich und deinen Thron bekräftigt,
Dann sey es uns vergönnt, bei Festesdrang im Saal
Geräumiger Vaterburg, zu rüsten dir das Mahl.
Blank trag’ ich’s dir dann vor, blank halt’ ich dir’s zur Seite,
Der höchsten Majestät zu ewigem Geleite.

Der Kaiser (zum Zweyten).

Der sich, als tapfrer Mann, auch zart gefällig zeigt,
Du! sey Erzkämmerer, der Auftrag ist nicht leicht.
Du bist der Oberste von allem Hausgesinde,
Bei deren innerm Streit ich schlechte Diener finde;
Dein Beispiel sey fortan in Ehren aufgestellt,
Wie man dem Herrn, dem Hof und Allen wohlgefällt.

Erzkämmerer.

Des Herren großen Sinn zu fördern bringt zu Gnaden,
Den Besten hülfreich seyn, den Schlechten selbst nicht schaden,
Dann klar seyn ohne List, und ruhig ohne Trug!
Wenn du mich, Herr, durchschaust, geschieht mir schon genug.
Darf sich die Phantasie auf jenes Fest erstrecken?
Wenn du zur Tafel gehst reich’ ich das goldne Becken,
Die Ringe halt’ ich dir, damit zur Wonnezeit,
Sich deine Hand erfrischt, wie mich dein Blick erfreut.

Kaiser.

Zwar fühl’ ich mich zu ernst auf Festlichkeit zu sinnen,
Doch sey’s! Es fördert auch frohmüthiges Beginnen.

(Zum Dritten.)

Dich wähl’ ich zum Erztruchseß! Also sey fortan,
Dir Jagd, Geflügel-Hof und Vorwerk unterthan;
Der Lieblingsspeise Wahl laß mir zu allen Zeiten
Wie sie der Monat bringt und sorgsam zubereiten.

Erztruchseß.

Streng Fasten sey für mich die angenehmste Pflicht,
Bis, vor dich hingestellt, dich freut ein Wohlgericht.
Der Küche Dienerschaft soll sich mit mir verein’gen,
Das Ferne beizuziehn, die Jahrszeit zu beschleun’gen.
Dich reizt nicht Fern und Früh, womit die Tafel prangt,
Einfach und kräftig ist’s wornach dein Sinn verlangt.

Kaiser (zum Vierten).

Weil unausweichlich hier sich’s nur von Festen handelt,
So sey mir junger Held, zum Schenken umgewandelt.
Erzschenke, sorge nun, daß unsre Kellerey
Auf’s reichlichste versorgt mit gutem Weine sey.
Du selbst sey mäßig, laß nicht über Heiterkeiten,
Durch der Gelegenheit Verlocken, dich verleiten.

Erzschenk.

Mein Fürst, die Jugend selbst, wenn man ihr nur vertraut,
Steht, eh’ man sich’s versieht, zu Männern auferbaut.
Auch ich versetze mich zu jenem großen Feste;
Ein Kaiserlich Büffet schmück’ ich auf’s allerbeste.
Mit Prachtgefäßen, gülden, silbern allzumal;
Doch wähl’ ich dir voraus den lieblichsten Pokal.
Ein blank venedisch Glas, worin Behagen lauschet,
Des Weins Geschmack sich stärkt und nimmermehr berauschet.
Auf solchen Wunderschatz vertraut man oft zu sehr;
Doch deine Mäßigkeit, du Höchster, schützt noch mehr.

Kaiser.

Was ich euch zugedacht in dieser ernsten Stunde,
Vernahmt ihr mit Vertraun aus zuverlässigem Munde.
Des Kaisers Wort ist groß und sichert jede Gift,
Doch zur Bekräftigung bedarf’s der edlen Schrift,
Bedarf’s der Signatur. Die förmlich zu bereiten,
Seh’ ich den rechten Mann zu rechter Stunde schreiten.

Der Erzbischof (tritt auf).

Kaiser.

Wenn ein Gewölbe sich dem Schlußstein anvertraut,
Dann ist’s mit Sicherheit für ewige Zeit erbaut.
Du siehst vier Fürsten da! Wir haben erst erörtert,
Was den Bestand zunächst von Haus und Hof befördert.
Nun aber, was das Reich in seinem Ganzen hegt,
Sey, mit Gewicht und Kraft, der Fünfzahl auferlegt.
An Ländern sollen sie vor allen andern glänzen,
Deßhalb erweitr’ ich gleich jetzt des Besitzthums Gränzen,
Vom Erbtheil jener die sich von uns abgewandt.
Euch Treuen sprech’ ich zu so manches schöne Land,
Zugleich das hohe Recht euch, nach Gelegenheiten,
Durch Anfall, Kauf und Tausch in’s Weitre zu verbreiten;
Dann sey bestimmt vergönnt, zu üben ungestört
Was von Gerechtsamen euch Landesherrn gehört.
Als Richter werdet ihr die Endurtheile fällen,
Berufung gelte nicht von euern höchsten Stellen.
Dann Steuer, Zins und Beth’, Lehn und Geleit und Zoll,
Berg-, Salz- und Münzregal euch angehören soll.
Denn meine Dankbarkeit vollgültig zu erproben,
Hab’ ich euch ganz zunächst der Majestät erhoben.

Erzbischof.

Im Namen aller sey dir tiefster Dank gebracht,
Du machst uns stark und fest und stärkest deine Macht.

Kaiser.

Euch Fünfen will ich noch erhöht’re Würden geben.
Noch leb’ ich meinem Reich und habe Lust zu leben;
Doch hoher Ahnen Kette zieht bedächtigen Blick
Aus rascher Strebsamkeit in’s Drohende zurück.
Auch werd’ ich, seiner Zeit, mich von den Theuren trennen,
Dann sey es eure Pflicht den Folger zu ernennen.
Gekrönt erhebt ihn hoch auf heiligen Altar,
Und friedlich ende dann was jetzt so stürmisch war.

Erzcanzler.

Mit Stolz in tiefster Brust, mit Demuth an Gebärde,
Stehn Fürsten dir gebeugt, die ersten auf der Erde.
So lang das treue Blut die vollen Adern regt,
Sind wir der Körper den dein Wille leicht bewegt.

Kaiser.

Und also sey, zum Schluß, was wir bisher bethätigt
Für alle Folgezeit durch Schrift und Zug bestätigt.
Zwar habt ihr den Besitz als Herren völlig frei,
Mit dem Beding jedoch, daß er untheilbar sey.
Und wie ihr auch vermehrt was ihr von uns empfangen,
Es soll’s der ält’ste Sohn in gleichem Maß erlangen.

Erzcanzler.

Dem Pergament alsbald vertrau’ ich wohlgemuth,
Zum Glück dem Reich und uns, das wichtigste Statut;
Reinschrift und Sieglung soll die Canzeley beschäft’gen.
Mit heiliger Signatur wirst du’s, der Herr, bekräft’gen.

Kaiser.

Und so entlass’ ich euch, damit den großen Tag,
Gesammelt, jederman sich überlegen mag.
Die weltlichen Fürsten

(entfernen sich).

Der Geistliche

(bleibt und spricht pathetisch).

Der Canzler ging hinweg, der Bischof ist geblieben,
Vom ernsten Warnegeist zu deinem Ohr getrieben!
Sein väterliches Herz von Sorge bangt um dich.<

Kaiser.

Was hast du Bängliches zur frohen Stunde? sprich!

Erzbischof.

Mit welchem bittern Schmerz find’ ich, in dieser Stunde,
Dein hochgeheiligt Haupt mit Satanas im Bunde.
Zwar, wie es scheinen will, gesichert auf dem Thron,
Doch leider! Gott dem Herrn, dem Vater Papst zum Hohn.
Wenn dieser es erfährt, schnell wird er sträflich richten,
Mit heiligem Strahl dein Reich das sündige zu vernichten.
Denn noch vergaß er nicht wie du, zur höchsten Zeit,
An deinem Krönungstag, den Zauberer befreit.
Von deinem Diadem, der Christenheit zum Schaden,
Traf das verfluchte Haupt der erste Strahl der Gnaden.
Doch schlag’ an deine Brust und gib vom frevlen Glück,
Ein mäßig Schärflein, gleich dem Heiligthum zurück.
Den breiten Hügelraum, da wo dein Zelt gestanden,
Wo böse Geister sich zu deinem Schutz verbanden,
Dem Lügenfürsten du ein horchsam Ohr geliehn,
Den stifte, fromm belehrt, zu heiligem Bemühn.
Mit Berg und dichtem Wald, so weit sie sich erstrecken,
Mit Höhen die sich grün zu steter Weide decken,
Fischreichen klaren Seen, dann Bächlein ohne Zahl,
Wie sie sich, eilig schlängelnd, stürzen ab zu Thal.
Das breite Thal dann selbst, mit Wiesen, Gauen, Gründen:
Die Reue spricht sich aus, und du wirst Gnade finden.

Kaiser.

Durch meinen schweren Fehl bin ich so tief erschreckt,
Die Gränze sey von dir nach eignem Maß gesteckt.

Erzbischof.

Erst: der entweihte Raum wo man sich so versündigt,
Sey alsobald zum Dienst des Höchsten angekündigt.
Behende steigt im Geist Gemäuer stark empor,
Der Morgensonne Blick erleuchtet schon das Chor,
Zum Kreuz erweitert sich das wachsende Gebäude,
Das Schiff erlängt, erhöht sich zu der Gläubigen Freude,
Sie strömen brünstig schon, durch’s würdige Portal,
Der erste Glockenruf erscholl durch Berg und Thal,
Von hohen Thürmen tönt’s, wie sie zum Himmel streben,
Der Büßer kommt heran, zu neugeschaffnem Leben.
Dem hohen Weihetag – er trete bald herein! –
Wird deine Gegenwart die höchste Zierde seyn.

Kaiser.

Mag ein so großes Werk den frommen Sinn verkünd’gen,
Zu preisen Gott den Herrn, so wie mich zu entsünd’gen.
Genug! Ich fühle schon wie sich mein Sinn erhöht.

Erzbischof.

Als Canzler fördr’ ich nun Schluß und Formalität.

Kaiser.

Ein förmlich Document, der Kirche das zu eignen,
Du legst es vor, ich will’s mit Freuden unterzeichnen.

Erzbischof

(hat sich beurlaubt, kehrt aber beim Ausgang wieder um).

Dann widmest du zugleich dem Werke, wie’s entsteht,
Gesammte Landsgefälle: Zehnten, Zinsen, Beth’,
Für ewig. Viel bedarf’s zu würdiger Unterhaltung,
Und schwere Kosten macht die sorgliche Verwaltung.
Zum schnellen Aufbau selbst auf solchem wüsten Platz,
Reichst du uns einiges Gold aus deinem Beuteschatz.
Daneben braucht man auch, ich kann es nicht verschweigen,
Entferntes Holz und Kalk und Schiefer und dergleichen.
Die Fuhren thut das Volk, vom Predigtstuhl belehrt,
Die Kirche segnet den der ihr zu Diensten fährt.

(Ab.)

Kaiser.

Die Sünd’ ist groß und schwer womit ich mich beladen,
Das leidige Zaubervolk bringt mich in harten Schaden.

Erzbischof

(abermals zurückkehrend mit tiefster Verbeugung).

Verzeih’, o Herr! Es ward dem sehr verrufnen Mann
Des Reiches Strand verliehn; doch diesen trifft der Bann,
Verleihst du reuig nicht der hohen Kirchenstelle
Auch dort den Zehnten, Zins und Gaben und Gefälle.

Kaiser (verdrießlich).

Das Land ist noch nicht da, im Meere liegt es breit.

Erzbischof.

Wer’s Recht hat und Geduld für den kommt auch die Zeit.
Für uns mög’ Euer Wort in seinen Kräften bleiben!

Kaiser (allein).

So könnt’ ich wohl zunächst das ganze Reich verschreiben.


Theil 2. Akt 4. Des Gegenkaisers Zelt, Thron, reiche Umgebung. «Faust» Goethe.

« Auf dem Vorgebirg

Offene Gegend »





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