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Переводы русской литературы
Translations of Russian literature


Hochgebirg

starke zackige Felsen-Gipfel.
Eine Wolke zieht herbei, lehnt sich an,
senkt sich auf eine vorstehende Platte herab.

Sie theilt sich.

Faust (tritt hervor).

Der Einsamkeiten tiefste schauend unter meinem Fuß,
Betret’ ich wohlbedächtig dieser Gipfel Saum,
Entlassend meiner Wolke Tragwerk, die mich sanft
An klaren Tagen über Land und Meer geführt.
Sie lös’t sich langsam, nicht zerstiebend, von mir ab.
Nach Osten strebt die Masse mit geballtem Zug,
Ihr strebt das Auge staunend in Bewundrung nach.
Sie theilt sich wandelnd, wogenhaft, veränderlich.
Doch will sich’s modeln. – Ja! das Auge trügt mich nicht! –
Auf sonnbeglänzten Pfühlen herrlich hingestreckt,
Zwar riesenhaft, ein göttergleiches Fraungebild,
Ich seh’s! Junonen ähnlich, Leda’n, Helenen,
Wie majestätisch lieblich mir’s im Auge schwankt.
Ach! schon verrückt sich’s! Formlos breit und aufgethürmt,
Ruht es in Osten, fernen Eisgebirgen gleich,
Und spiegelt blendend flüchtiger Tage großen Sinn.
Doch mir umschwebt ein zarter lichter Nebelstreif
Noch Brust und Stirn, erheiternd, kühl und schmeichelhaft.
Nun steigt es leicht und zaudernd hoch und höher auf,
Fügt sich zusammen. – Täuscht mich ein entzückend Bild,
Als jugenderstes, längstentbehrtes höchstes Gut?
Des tiefsten Herzens frühste Schätze quellen auf,
Aurorens Liebe, leichten Schwungs, bezeichnet’s mir,
Den schnellempfundnen, ersten, kaum verstandnen Blick,
Der, festgehalten, überglänzte jeden Schatz.
Wie Seelenschönheit steigert sich die holde Form,
Lös’t sich nicht auf, erhebt sich in den Aether hin,
Und zieht das Beste meines Innern mit sich fort.

Ein Sieben-Meilenstiefel (tappt auf).

Ein Anderer folgt alsbald.

Mephistopheles (steigt ab).

Die Stiefel schreiten eilig weiter.

Mephistopheles.

Das heiß’ ich endlich vorgeschritten!
Nun aber sag’, was fällt dir ein?
Steigst ab in solcher Gräuel Mitten,
Im gräßlich gähnenden Gestein?
Ich kenn’ es wohl, doch nicht an dieser Stelle,
Denn eigentlich war das der Grund der Hölle.

Faust.

Es fehlt dir nie an närrischen Legenden,
Fängst wieder an dergleichen auszuspenden.

Mephistopheles (ernsthaft).

Als Gott der Herr – ich weiß auch wohl warum, –
Uns, aus der Luft, in tiefste Tiefen bannte,
Da, wo centralisch glühend, um und um,
Ein ewig Feuer flammend sich durchbrannte,
Wir fanden uns bei allzugroßer Hellung
In sehr gedrängter unbequemer Stellung.
Die Teufel fingen sämmtlich an zu husten,
Von oben und von unten auszupusten;
Die Hölle schwoll von Schwefel-Stank und Säure,
Das gab ein Gas! das ging in’s Ungeheure,
So daß gar bald der Länder flache Kruste,
So dick sie war, zerkrachend bersten mußte.
Nun haben wir’s an einem andern Zipfel,
Was ehmals Grund war ist nun Gipfel.
Sie gründen auch hierauf die rechten Lehren
Das Unterste in’s Oberste zu kehren.
Denn wir entrannen knechtisch-heißer Gruft
In’s Uebermaß der Herrschaft freier Luft.
Ein offenbar Geheimniß wohl verwahrt
Und wird nur spät den Völkern offenbart.
 (Ephes. 6. 12.)

Faust.

Gebirgesmasse bleibt mir edel-stumm,
Ich frage nicht woher und nicht warum? –
Als die Natur sich in sich selbst gegründet,
Da hat sie rein den Erdball abgeründet.
Der Gipfel sich, der Schluchten sich erfreut,
Und Fels an Fels und Berg an Berg gereiht;
Die Hügel dann bequem hinabgebildet,
Mit sanftem Zug sie in das Thal gemildet.
Da grünt’s und wächst’s, und um sich zu erfreuen
Bedarf sie nicht der tollen Strudeleyen.

Mephistopheles.

Das sprecht ihr so! Das scheint euch sonnenklar,
Doch weiß es anders der zugegen war.
Ich war dabei, als noch da drunten, siedend,
Der Abgrund schwoll und strömend Flammen trug;
Als Molochs Hammer, Fels an Felsen schmiedend,
Gebirges-Trümmer in die Ferne schlug.
Noch starrt das Land von fremden Centnermassen;
Wer gibt Erklärung solcher Schleudermacht?
Der Philosoph, er weiß es nicht zu fassen,
Da liegt der Fels, man muß ihn liegen lassen,
Zu Schanden haben wir uns schon gedacht. –
Das treu-gemeine Volk allein begreift
Und läßt sich im Begriff nicht stören;
Ihm ist die Weisheit längst gereift:
Ein Wunder ist’s, der Satan kommt zu Ehren.
Mein Wandrer hinkt an seiner Glaubenskrücke,
Zum Teufelsstein, zur Teufelsbrücke.

Faust.

Es ist doch auch bemerkenswerth zu achten,
Zu sehn wie Teufel die Natur betrachten.

Mephistopheles.

Was geht mich’s an! Natur sey wie sie sey!
’s ist Ehrenpunkt: der Teufel war dabei!
Wir sind die Leute Großes zu erreichen;
Tumult, Gewalt und Unsinn! sieh das Zeichen! –
Doch, daß ich endlich ganz verständlich spreche,
Gefiel dir nichts an unsrer Oberfläche?
Du übersahst, in ungemess’nen Weiten,
„Die Reiche der Welt und ihre Herlichkeiten.“
 (Matth. 4.)
Doch, ungenügsam wie du bist,
Empfandest du wohl kein Gelüst?

Faust.

Und doch! ein Großes zog mich an.
Errathe!

Mephistopheles.

Das ist bald gethan.
Ich suchte mir so eine Hauptstadt aus,
Im Kerne Bürger-Nahrungs-Graus,
Krummenge Gäßchen, spitze Giebeln,
Beschränkten Markt, Kohl, Rüben, Zwiebeln;
Fleischbänke wo die Schmeißen hausen,
Die fetten Braten anzuschmausen;
Da findest du zu jeder Zeit
Gewiß Gestank und Thätigkeit.
Dann weite Plätze, breite Straßen,
Vornehmen Schein sich anzumaßen;
Und endlich, wo kein Thor beschränkt,
Vorstädte gränzenlos verlängt.
Da freut’ ich mich an Rollekutschen,
Am lärmigen Hin- und Wiederrutschen,
Am ewigen Hin- und Wiederlaufen,
Zerstreuter Ameis-Wimmelhaufen.
Und, wenn ich führe, wenn ich ritte,
Erschien ich immer ihre Mitte,
Von Hunderttausenden verehrt.

Faust.

Das kann mich nicht zufrieden stellen!
Man freut sich daß das Volk sich mehrt,
Nach seiner Art behaglich nährt,
Sogar sich bildet, sich belehrt, –
Und man erzieht sich nur Rebellen.

Mephistopheles.

Dann baut’ ich, grandios, mir selbst bewußt,
Am lustigen Ort ein Schloß zur Lust.
Wald, Hügel, Flächen, Wiesen, Feld
Zum Garten prächtig umbestellt.
Vor grünen Wänden Sammet-Matten,
Schnurwege, kunstgerechte Schatten,
Cascadensturz, durch Fels zu Fels gepaart,
Und Wasserstrahlen aller Art;
Ehrwürdig steigt es dort, doch an den Seiten,
Da zischt’s und pischt’s, in tausend Kleinigkeiten.
Dann aber ließ ich allerschönsten Frauen,
Vertraut-bequeme Häuslein bauen;
Verbrächte da gränzenlose Zeit
In allerliebst-geselliger Einsamkeit.
Ich sage Frau’n; denn ein für allemal
Denk’ ich die Schönen im Plural.

Faust.

Schlecht und modern! Sardanapal!

Mephistopheles.

Erräth man wohl wornach du strebtest?
Es war gewiß erhaben kühn.
Der du dem Mond um so viel näher schwebtest,
Dich zog wohl deine Sucht dahin?

Faust.

Mit nichten! dieser Erdenkreis
Gewährt noch Raum zu großen Thaten.
Erstaunenswürdiges soll gerathen,
Ich fühle Kraft zu kühnem Fleiß.

Mephistopheles.

Und also willst du Ruhm verdienen?
Man merkt’s du kommst von Heroinen.

Faust.

Herrschaft gewinn’ ich, Eigenthum!
Die That ist alles, nichts der Ruhm.

Mephistopheles.

Doch werden sich Poeten finden,
Der Nachwelt deinen Glanz zu künden,
Durch Thorheit Thorheit zu entzünden.

Faust.

Von allem ist dir nichts gewährt.
Was weißt du, was der Mensch begehrt?
Dein widrig Wesen, bitter, scharf,
Was weiß es, was der Mensch bedarf?

Mephistopheles.

Geschehe denn nach deinem Willen!
Vertraue mir den Umfang deiner Grillen.

Faust.

Mein Auge war auf’s hohe Meer gezogen;
Es schwoll empor, sich in sich selbst zu thürmen.
Dann ließ es nach und schüttelte die Wogen,
Des flachen Ufers Breite zu bestürmen.
Und das verdroß mich; wie der Uebermuth
Den freien Geist, der alle Rechte schätzt,
Durch leidenschaftlich aufgeregtes Blut
In’s Mißbehagen des Gefühls versetzt.
Ich hielt’s für Zufall, schärfte meinen Blick,
Die Woge stand und rollte dann zurück,
Entfernte sich vom stolz erreichten Ziel;
Die Stunde kommt, sie wiederholt das Spiel.

Mephistopheles (ad Spectatores).

Da ist für mich nichts Neues zu erfahren,
Das kenn’ ich schon seit hunderttausend Jahren.

Faust (leidenschaftlich fortfahrend).

Sie schleicht heran, an aber tausend Enden
Unfruchtbar selbst Unfruchtbarkeit zu spenden;
Nun schwillt’s und wächs’t und rollt und überzieht
Der wüsten Strecke widerlich Gebiet.
Da herrschet Well’ auf Welle kraftbegeistet,
Zieht sich zurück und es ist nichts geleistet,
Was zur Verzweiflung mich beängstigen könnte!
Zwecklose Kraft unbändiger Elemente!
Da wagt mein Geist sich selbst zu überfliegen,
Hier möcht’ ich kämpfen, dieß möcht’ ich besiegen.
Und es ist möglich! – fluthend wie sie sey,
An jedem Hügel schmiegt sie sich vorbei;
Sie mag sich noch so übermüthig regen,
Geringe Höhe ragt ihr stolz entgegen,
Geringe Tiefe zieht sie mächtig an.
Da faßt’ ich schnell im Geiste Plan auf Plan:
Erlange dir das köstliche Genießen
Das herrische Meer vom Ufer auszuschließen,
Der feuchten Breite Gränzen zu verengen
Und, weit hinein, sie in sich selbst zu drängen.
Von Schritt für Schritt wußt’ ich mir’s zu erörtern.
Das ist mein Wunsch, den wage zu befördern!

(Trommeln und kriegerische Musik im Rücken der Zuschauer,
aus der Ferne, von der rechten Seite her.)

Mephistopheles.

Wie leicht ist das! – hörst du die Trommeln fern?

Faust.

Schon wieder Krieg! der Kluge hört’s nicht gern.

Mephistopheles.

Krieg oder Frieden. Klug ist das Bemühen
Aus jedem Umstand seinen Vortheil ziehen.
Man paßt, man merkt auf jedes günstige Nu.
Gelegenheit ist da, nun Fauste greife zu.

Faust.

Mit solchem Räthselkram verschone mich!
Und kurz und gut, was soll’s? Erkläre dich.

Mephistopheles.

Auf meinem Zuge blieb mir nicht verborgen,
Der gute Kaiser schwebt in großen Sorgen,
Du kennst ihn ja. Als wir ihn unterhielten,
Ihm falschen Reichthum in die Hände spielten,
Da war die ganze Welt ihm feil.
Denn jung ward ihm der Thron zu Theil,
Und ihm beliebt’ es falsch zu schließen,
Es könne wohl zusammengehn,
Und sey recht wünschenswerth und schön,
Regieren und zugleich genießen.

Faust.

Ein großer Irrthum. Wer befehlen soll,
Muß im Befehlen Seligkeit empfinden.
Ihm ist die Brust von hohem Willen voll,
Doch was er will, es darf’s kein Mensch ergründen.
Was er den Treusten in das Ohr geraunt,
Es ist gethan und alle Welt erstaunt.
So wird er stets der Allerhöchste seyn,
Der Würdigste – Genießen macht gemein.

Mephistopheles.

So ist er nicht! Er selbst genoß und wie?
Indeß zerfiel das Reich in Anarchie,
Wo Groß und Klein sich kreuz und quer befehdeten,
Und Brüder sich vertrieben, tödteten,
Burg gegen Burg, Stadt gegen Stadt,
Zunft gegen Adel Fehde hat,
Der Bischof mit Capitel und Gemeinde;
Was sich nur ansah waren Feinde.
In Kirchen Mord und Todtschlag, vor den Thoren
Ist jeder Kauf- und Wandersmann verloren.
Und allen wuchs die Kühnheit nicht gering;
Denn leben hieß: sich wehren – Nun, das ging.

Faust.

Es ging, es hinkte, fiel, stand wieder auf,
Dann überschlug sich’s, rollte plump zu Hauf.

Mephistopheles.

Und solchen Zustand durfte niemand schelten,
Ein jeder konnte, jeder wollte gelten:
Der Kleinste selbst er galt für voll;
Doch war’s zuletzt den Besten allzutoll.
Die Tüchtigen sie standen auf mit Kraft
Und sagten: Herr ist der uns Ruhe schafft:
Der Kaiser kann’s nicht, will’s nicht – laßt uns wählen
Den neuen Kaiser, neu das Reich beseelen,
Indem er jeden sicher stellt,
In einer frisch geschaffnen Welt
Fried’ und Gerechtigkeit vermählen.

Faust.

Das klingt sehr pfäffisch.

Mephistopheles.

Pfaffen waren’s auch,
Sie sicherten den wohlgenährten Bauch;
Sie waren mehr, als andere betheiligt.
Der Aufruhr schwoll, der Aufruhr ward geheiligt;
Und unser Kaiser, den wir froh gemacht,
Zieht sich hieher, vielleicht zur letzten Schlacht.

Faust.

Er jammert mich, er war so gut und offen.

Mephistopheles.

Komm, sehn wir zu, der Lebende soll hoffen.
Befrein wir ihn aus diesem engen Thale!
Einmal gerettet ist’s für tausend Male.
Wer weiß wie noch die Würfel fallen?
Und hat er Glück, so hat er auch Vasallen.

(Sie steigen über das Mittelgebirg herüber
und beschauen die Anordnung des Heeres im Thal.
Trommeln und Kriegsmusik schallt von unten auf.)

Mephistopheles.

Die Stellung, seh’ ich, gut ist sie genommen;
Wir treten zu, dann ist der Sieg vollkommen.

Faust.

Was kann da zu erwarten seyn?
Trug! Zauberblendwerk! Hohler Schein.

Mephistopheles.

Kriegslist um Schlachten zu gewinnen!
Befestige dich bei großen Sinnen,
Indem du deinen Zweck bedenkst.
Erhalten wir dem Kaiser Thron und Lande,
So kniest du nieder und empfängst
Die Lehn von gränzenlosem Strande.

Faust.

Schon manches hast du durchgemacht,
Nun, so gewinn’ auch eine Schlacht.

Mephistopheles.

Nein, du gewinnst sie! dieses Mal
Bist du der Obergeneral.

Faust.

Das wäre mir die rechte Höhe,
Da zu befehlen wo ich nichts verstehe!

Mephistopheles.

Laß du den Generalstab sorgen
Und der Feldmarschall ist geborgen.
Kriegsunrath hab’ ich längst verspürt,
Den Kriegsrath gleich voraus formirt
Aus Urgebirgs Urmenschenkraft;
Wohl dem der sie zusammenrafft.

Faust.

Was seh’ ich dort was Waffen trägt?
Hast du das Bergvolk aufgeregt?

Mephistopheles.

Nein! aber gleich Herrn Peter Squenz
Vom ganzen Praß die Quintessenz.
Die drey Gewaltigen (treten auf).

 Sam. II. 23. 8.

Mephistopheles.

Da kommen meine Bursche ja!
Du siehst, von sehr verschiednen Jahren,
Verschiednem Kleid und Rüstung sind sie da;
Du wirst nicht schlecht mit ihnen fahren.

(Ad Spectatores.)

Es liebt sich jetzt ein jedes Kind
Den Harnisch und den Ritterkragen;
Und, allegorisch wie die Lumpen sind,
Sie werden nur um desto mehr behagen.

Raufebold

(jung, leicht bewaffnet, bunt gekleidet).

Wenn einer mir in’s Auge sieht
Werd’ ich ihm mit der Faust gleich in die Fresse fahren,
Und eine Memme, wenn sie flieht,
Fass’ ich bei ihren letzten Haaren.

Habebald

(männlich, wohl bewaffnet, reich gekleidet).

So leere Händel das sind Possen,
Damit verdirbt man seinen Tag;
Im Nehmen sey nur unverdrossen,
Nach allem andern frag’ hernach.

Haltefest

(bejahrt, stark bewaffnet, ohne Gewand).

Damit ist auch nicht viel gewonnen!
Bald ist ein großes Gut zerronnen,
Es rauscht im Lebensstrom hinab.
Zwar nehmen ist recht gut, doch besser ist’s behalten;
Laß du den grauen Kerl nur walten
Und niemand nimmt dir etwas ab.

(Sie steigen allzusammen tiefer.)


Theil 2. Akt 4. Hochgebirg. «Faust» Goethe.

« Vor dem Palaste des Menelas zu Sparta

Auf dem Vorgebirg »





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